Johanniskraut in der Phytotherapie

Damit die Pflanze ihre Wirkung gut und sicher entfalten kann, gilt es aber einiges zu beachten:

Alle Studien wurden mit hoch dosierten Extraktpräparaten gemacht. Über die Wirksamkeit von Johanniskraut in Form von Tee oder Tinktur gibt es deshalb keine gesicherten Angaben, was aber eine Wirksamkeit auch nicht ausschliesst.

Die volle Wirkung ist erst nach etwa 10 – 14 Behandlungstagen zu erwarten.

Johanniskraut kann die Empfindlichkeit der Haut auf Sonnenbestrahlung erhöhen. Aus diesem Grund wird in den Packungsbeilagen geraten, man soll während der Einnahme des Präparates starke Sonnenbestrahlung meiden. Diese Warnung gründet vor allem auf Beobachtungen an Weidetieren, die ausgesprochen viel Johanniskraut frassen und der Sonne ausgesetzt waren. Die Tiere zeigten sonnenbrandähnliche Verbrennungen der Haut. Nun fressen Menschen allerdings eher selten den ganzen Tag an der prallen Sonne Johanniskraut.....
Zudem zeigte sich bei Freiwilligen, dass auch mit der dreifachen Tagesdosis eines Extraktpräparates nur eine kleine Minderheit nach UV-Bestrahlung mit leicht erhöhter Hautrötung reagierte. Es scheint daher sinnvoll, die Warnung vor Photosensibilisierung nicht zu dramatisieren, vor allem auch, weil depressiven Menschen Sonnenbestrahlung bekanntlich gut tut. Dass extreme Bestrahlung zu meiden ist und dass sehr hellhäutige, blond- und rothaarige Menschen betreffend Sonne besonders vorsichtig sein sollten, ist sowieso klar – ob mit oder ohne Johanniskraut-Einnahme.

Johanniskraut kann den Abbau bestimmter Medikamente in der Leber beschleunigen. Dadurch sinken möglicherweise die Blutspiegel der entsprechenden Substanzen, was die Wirksamkeit in Frage stellt. Bekannt geworden sind solche Wechselwirkungen zum Beispiel bei Blutgerinnungshemmern, Herzmittel vom Digitalistyp, Immunsuppressiva und Östrogenen. Wer rezeptpflichtige Medikamente einnimmt, sollte daher den Arzt oder die Ärztin über eine allfällige Einnahme von Johanniskrautpräparaten informieren. Am meisten Diskussionsstoff lieferte in den letzten Jahren die Frage, ob bei der Einnahme von Johanniskrautpräparaten die Sicherheit der „Pille“ gefährdet ist, wenn doch Östrogene schneller abgebaut werden. Zur Zeit wird in der Phytotherapie-Fachliteratur überwiegend die Meinung vertreten, dass die Sicherheit der Pille mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht gefährdet ist. Allerdings bekommt man (bzw. Frau) in dieser Frage von niemandem eine Garantie. Niemand will offenbar verantwortlich sein, wenn eine Frau mit der Medikation „Johanniskraut & Pille“ schwanger wird. Unabhängig davon, ob wirklich ein Zusammenhang besteht, könnte man in die dumme Lage kommen, für das Kind Unterhalt zahlen zu müssen. Schwammige Antworten wie: „Wahrscheinlich ist die Sicherheit der Pille nicht beeinträchtigt“, sind aber natürlich unbefriedigend, weil die Frauen eine klare Aussage möchten, ob die Kombination nun sicher ist oder nicht. Eine Zwischenlösung liegt darin, dass eine Frau, die Johanniskraut-Präparate mit der Pille zusammen einnehmen möchte, für diese Zeit eine östrogenmässig stärkere Pillenvariante wählt. Diese Frage ist mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen zu klären.

Wer mehr über Heilpflanzen wissen möchte, Heilpflanzen in der Natur auf Exkursionen kennen lernen will oder eine Phytotherapie-Ausbildung ins Auge fasst, findet Informationen dazu auf www.phytotherapie-seminare.ch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am „Seminar für Integrative Phytotherapie“ in Winterthur (Schweiz)

Autor   Martin Koradi
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