Die Geschichte von Abraham und Sara

Das Alte Testament besteht aus den kanonischen Schriften, die den Bund Gottes mit Israel bezeugen, im Unterschied zum Neuen Bund in Jesus Christus, in den Gott die ganze Menschheit einbezieht. Die Schriften des Alten Testaments sind in einem Zeitraum von rund 1.000 Jahren entstanden, als jüngste das Buch Daniel um 164 v. Chr.

Noch heute gibt es nicht Menschlich-Allzumenschliches, das nicht auf die eine oder andere Weise bereits in den Schriften des Alten Testaments behandelt worden wäre. Die biblischen Paare wie Adam und Eva, Jakob und Rahel, Hero und Leander sind noch heute Exempel für Liebe und Hass, Partnersuche und Trennung, Freude und Leid.

Da wäre zum Beispiel auch die große Geschichte von Abraham und Sara. Abraham wird in Mesopotamien am unteren Euphrat geboren und zieht während der Unruhen, die den Zerfall des babylonischen Weltreiches begleiten, in die Nähe der heutigen syrisch-türkischen Grenze. Sein Leben ist geprägt von der Aufforderung, aus der Heimat fortzuziehen in ein noch unbekanntes Land. Er bricht aus Familie und Sippe aus und wird damit heimat- und schutzlos. Abraham durchquert das Land und die Wüste und gelangt auf der Flucht vor Hungersnot bis nach Ägypten. Dort gibt er seine Frau, die sehr schön ist, als seine Schwester aus, denn er fürchtet, der König werde sie ihm ausspannen und ihn aus dem Weg zu räumen. Tatsächlich nimmt der Pharao Sara in sein Haus auf und macht Abraham reichlich Geschenke: Schafe und Rinder, Esel und Kamele, Knechte und Mägde. Aber dann durchschaut er den Trick und jagt ihn aus dem Land.

Abraham siedelt sich bei Hebron an, gelangt zu einiger Macht und beteiligt sich an den Kriegen zwischen den Herrschern der Regionen am Euphrat und am Toten Meer. Obwohl er noch keinen Erben hat, erfährt er im Traum, dass Jahrhunderte später alles Land zwischen Ägypten und Euphrat seinen Nachkommen gehören wird. Er hält sich eine Magd als Nebenfrau, was zu Konflikten führt. Hagar, Saras persönliche Sklavin, gebärt Abraham einen Sohn. Wie auch Sara, in späten Jahren, wo dies biologisch eigentlich nicht mehr möglich ist. Ein Wunder freilich, doch das Glück ist trügerisch: Gott nötigt Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern. Die kaum begreifliche Geschichte ist ein Gleichnis für eine fast übermenschliche Probe und dafür, dass Gott zurückfordern kann, was er schenkt, sogar das Liebste, was ein Mensch besitzt. Aber die unsägliche Tat wird Abraham im letzten Moment erspart. Ein Engel weist ihn an, statt seines Sohnes einen Widder zu opfern, der sich mit seinen Hörnern in einer Hecke verfangen hat. Schließlich kehrt Abraham nach Hebron zurück, wo Sara stirbt. Die Höhle, in der sie ruht, wird später auch seine Grabstätte.

Letztlich siegt also die Liebe. Die Erzählungen von Abraham sind Zeugnisse über einen Menschen, der in einer Mischung aus Mut, Gottvertrauen und Bereitschaft zum Risiko offen für Veränderungen bleibt und eine neue Welt sucht. Abraham und Sara sind eines der drei Erzelternpaare, große Vorbilder, von denen Israel seine Geschichte herleitet. Keine Helden und Heldinnen oder gar Heilige, sondern Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber sie bleiben zusammen. Sie erreichen ein hohes Alter, Symbol für ein erfülltes Leben und Zeichen der Treue Gottes.

Autor   Gabriele Witzleben
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