Der passende Korken zum Wein

Die Kultur der Weinkorken hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. Neben dem ursprünglichen und als klassisch angesehenen Korken aus Kork, gibt es inzwischen auch Kunstkork, sogenannte Glaskorken und sogar Weine ohne Korken, also mit Schraubverschluss.
Die Problematik bei dem auch heute noch am weitesten verbreiteten Naturkork ist das allseits bekannte Phänomen, dass es bei ca. 2-3% der verkorkten Flaschen zu einem Korkgeschmack im Wein kommen kann. Dies macht den Wein ungenießbar und trifft vor allem bei den billigen Supermarktweinen auf, kann aber auch bei teureren Tropfen zum Ärgernis werden. Dies hängt mit der unterschiedlichen Qualität des Korks zusammen. Vor allem Billigproduzenten müssen oft jeden Cent zweimal umdrehen und greifen so oft zu schlechterer Ware. In anderen europäischen Ländern haben sich längst andere Verschlussarten durchgesetzt, da sich inzwischen herausgestellt hat, dass ein mit Naturkork verkorkter Wein keineswegs eine „Atmung“ zulässt. Die Reifung des Weines findet nur mit der in der Flasche befindlichen Luft statt und ein Austausch dieser Luft würde für einen schlechten Kork sprechen. In Deutschland hingegen wehrt man sich gegen diese Entwicklung aufgrund emotionaler Bindungen der Konsumenten zu „ihrem Korken“ und einem negativen Image von Kronkorken bzw. Schraubverschluss. Rein technisch wären diese aber absolut im Vorteil, weil es keinen so großen Qualitätsunterschied wie bei den verschiedenen Naturkorken gibt. Einige aufstrebende Jungwinzer setzen inzwischen, vornehmlich bei ihren Weinen im mittleren Preissegment, alternativ auf Glas- oder Plastikkorken. Beide haben ein besseres Image und wirken ähnlich „edel“ wie ihr Pendant aus Naturkork. Vor allem der Plastikkorken scheint sich hierbei durchzusetzen. Dieser bietet jedoch einen erhöhten Gasaustausch zwischen Flascheninhalt und Umwelt und eignet sich so nur für Weine die spätestens im zweiten Jahr verkonsumiert werden. Die Weine altern schneller, oxidieren und verderben so.
Die Deutschen können also getrost mit ihrer Romantik brechen: Ein guter Wein braucht keinen Korken.

Autor   Roger Schmidt
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