Auch Wirtschaftsliberalismus hat seine Grenzen
Auch wenn herkömmliche Industrien in den so genannten westlichen Staaten eher am schrumpfen sind, bleibt doch ein Teil der Industrie und Fertigung fest in mitteleuropäischer Hand.
Vor allem die menschliche Arbeitskraft beziehungsweise deren Preis bewirkte ein zunehmendes „Out-Sourcing“ von arbeitsintensiven Verarbeitungsschritten in 3. Welt-Länder oder ehemalige GUS-Staaten. So verkaufte nicht nur die die heimische Voest, sondern viele Traditionsunternehmen, Lizenzen nach Osteuropa, Indien und China, oder unterhielten schlicht eigene Werke.
Etwas das allerdings nur äußerst zögerlich ausgelagert wird, ist aber der Maschinenbau. Zum einen rührt dies sicher daher, dass zumindest in den leitenden Positionen ungeheures Know-how und ein damit verbundener hoher Ausbildungsgrad gefordert werden. Zum anderen spielt sicher auch eine gewisse Angst vor Konkurrenz und, wie vor allem in China oft problematisiert und geklagt wird, Industriespionage mit eine Rolle.
Gerade die (inoffiziellen) Weltmeister wollen ihre Geheimnisse nicht preisgeben: Deutscher Maschinenbau gehört zur absoluten Weltspitze, wenn auch allgemein in Europa große Konkurrenz herrscht, man denke nur eben an Österreich, Schweden oder die Schweiz, die allesamt weltberühmt für ihre Tüfteleien im maschinellen Bereich sind.
So agieren große Traditionsunternehmen in diesem Bereich wie Thyssen-Krupp oder Siemens mit großer Vorsicht am internationalen Markt. Auch wenn beide in letzter Zeit einiges an negativer Presse für Schmiergeldzahlungen und Kartellabsprachen einstecken mussten, kann man dahinter doch ganz klar einen nicht-staatlichen Protektionismus der eigenen Produkte, aber noch viel mehr des eigenen Wissens erkennen.
Dies verwundert nur begrenzt, waren doch viele Verarbeitungsschritte vor nicht all zu langer Zeit wohlbehütete Familiengeheimnisse und deswegen Existenzgrundlage für viele Nachkommengenerationen.
Die äußerst restriktive Firmenpolitik bezüglich dieser Betriebs-„Juwelen“ hat so gesehen wahrscheinlich nicht nur monetäre, sondern tatsächlich auch gewisse sentimentale Gründe, auch wenn der Familieneinfluss auf solche Unternehmen meist nur noch ein geringer ist.
Doch statt Eifersucht oder ähnliches darin erkennen zu wollen, sollte ganz Europa dafür dankbar sein, da auf diese Weise Standortssicherung gewährleistet und zusätzlich sichergestellt wird, dass qualitativ hochwertige Produktion in unseren Breitengraden verbleibt und weiterhin Broterwerb für unzählige Menschen ermöglicht.
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