ADHS und der Zappelphilipp

Grundsätzlich sollte Kindern und Jugendlichen auch in unserer leistungsorientierten Gesellschaft ein erhöhtes Maß an Aktivität, Impulsivität und Träumereien zugestanden werden. Bei einigen unseren Kindern übersteigen Impulsivität, Bewegungsdrang und unkontrolliertes Verhalten jedoch deutlich das durchschnittliche Maß, weshalb in diesen Fällen von einer Entwicklungsstörung auszugehen ist. Man spricht bei diesen Kindern vom Zappelphilippsyndrom oder von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätssyndrom).

Aktuellen medizinischen Schätzungen zufolge dürften im deutschsprachigen Raum immerhin um die vier Prozent unserer Kinder im schulpflichtigen Alter an ADHS leiden. Grundsätzlich sind Knaben fast dreimal so häufig wie Mädchen betroffen.

ADHS Patienten sind ständig auf Achse und nicht in der Lage ihr Aktivitätsniveau auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Ständig zappeln und laufen die Kinder herum, können im Klassenzimmer nicht ruhig auf ihren Plätzen sitzen, unterbrechen die Lehrer mit unangebrachten Zwischenrufen und sind häufig in Raufereien und Streitigkeiten mit Altersgenossen verwickelt. Lernprobleme, Teilleistungsdefizite oder emotionale Störungen verkomplizieren oft das Krankheitsbild und führen insgesamt zu einer ungünstigen Entwicklungsprognose.

Die genauen Ursachen von ADHS sind auch nach mittlerweile fast 40 Jahren intensiver Forschung nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch im Wesentlichen von einer Funktionsstörung im Gehirn auf molekularer Ebene aus. ADHS Patienten können auf sie einströmende Reize nur ungenügend filtern und ihr Gehirn wird ständig von einer nicht zu bewältigenden Informationsflut belastet. Auch scheinen genetische Faktoren das Auftreten der Erkrankung zu begünstigen, da in vielen Familien ADHS gehäuft auftritt. Statistisch gesehen sind Eltern, Geschwister oder Verwandte von ADHS Patienten rund viermal häufiger selbst von ADHS betroffen, als Familienmitglieder gesunder Kinder. Ebenfalls können ungünstige Erziehungsmethoden eine vorhandene ADHS Problematik deutlich verschlimmern.

Trotz sehr intensiver Bemühungen in den letzten Jahrzehnten ist es derzeit noch nicht möglich ADHS kausal zu heilen, allerdings stehen zahlreiche Therapieoptionen wie Familientraining, Verhaltenstraining und Medikamente wie Ritalin, Concerta und Strattera zur Verfügung, um die allgemeine Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern und gefürchtete Spätfolgen zu verhindern.

Der Autor dieses Artikels – Dr. med. Jürgen Mayer- berichtet auf seinem Informationsportal http://www.adhsneindanke.comüber Symptome, Diagnose und Therapie von ADHS.

Autor   Dr. med. Jürgen Mayer
Aufrufe   104
Stimmen   keine
durchn. Bewertung   0 / 10 Punkte
Kommentare   keine
Artikel drucken  Artikel drucken
Artikel empfehlen  Artikel empfehlen
kommentieren  kommentieren

Bewertung

Bitte bewerten Sie diesen Artikel auf einer Scala von 1 bis 10 (10=sehr gut)
12 34 56 78 910